Bifazialer Mehrertrag unter dem Carport: Was die Rückseite der Module wirklich bringt
Glas-Glas-Module nutzen auch das Licht, das vom Boden zurückgeworfen wird. Wie groß der Mehrertrag unter einem Solar-Carport ausfällt, wovon er abhängt und warum der Parkpower-Konfigurator ihn bewusst nicht einrechnet.
Elite PV GmbH · Veröffentlicht am 04. September 2026 · Zuletzt geprüft am 04. September 2026 · 5 Min. Lesezeit
Ein Glas-Glas-Modul hat keine Rückseite im herkömmlichen Sinn. Statt einer weißen Folie sitzt hinter den Zellen eine zweite Glasscheibe, und die Zellen selbst sind so gebaut, dass sie Licht von beiden Seiten in Strom wandeln. Unter einem Carport ist das kein Nebeneffekt, sondern ein Merkmal des Bauwerks: Die Module hängen zwei bis drei Meter über einer Fläche, die Licht zurückwirft, und sie sind von unten frei sichtbar – also auch von unten beleuchtet. Wie viel das bringt, hängt von wenigen, gut bekannten Faktoren ab.
Wie Bifazialität funktioniert
Die Vorderseite eines Moduls sieht die direkte Sonne und den Himmel. Die Rückseite sieht den Boden, und der Boden leuchtet – mit dem Teil des Lichts, den er reflektiert. Dieses Reflexionsvermögen heißt Albedo. Dunkler Asphalt wirft rund ein Zehntel des Lichts zurück, heller Beton oder Betonpflaster ein Viertel bis ein Drittel, frischer Schnee rund vier Fünftel. Dazu kommt diffuses Licht, das seitlich unter das Dach fällt, besonders an bewölkten Tagen, an denen der Himmel gleichmäßig hell ist.
Der Anteil, den die Rückseite im Verhältnis zur Vorderseite umsetzt, heißt Bifazialitätsfaktor. Bei aktuellen Zelltechnologien liegt er meist zwischen 70 und 85 Prozent. Der tatsächliche Mehrertrag – der bifaziale Gewinn – ist deutlich kleiner, weil auf die Rückseite viel weniger Licht trifft als auf die Vorderseite: nach Untersuchungen des Fraunhofer ISE in Deutschland typischerweise fünf bis fünfzehn Prozent bezogen auf ein monofaziales Modul gleicher Nennleistung, in günstigen Aufstellungen mehr.
Warum der Carport eine günstige Aufstellung ist
Drei Eigenschaften eines Solar-Carports spielen dem bifazialen Gewinn in die Hände. Erstens die Höhe: Mit einer lichten Höhe von rund zwei bis drei Metern sieht die Modulrückseite eine große Bodenfläche und wenig Eigenverschattung – je näher ein Modul am Boden liegt, desto stärker beschattet es selbst die Fläche, von der es Licht erwartet. Zweitens die offene Bauweise: Kein Dachaufbau, keine Dämmung, keine Folie hinter den Modulen; die Rückseite blickt frei auf Boden und Umgebung. Drittens die Neigung: Bei fünf bis zehn Grad liegt das Modul nahezu waagerecht, sodass die Rückseite den Boden vollständig, nicht nur streifend sieht.
Dagegen steht eine Eigenschaft, die den Gewinn begrenzt: Unter dem Carport stehen Fahrzeuge. Ein voll geparkter Carport reflektiert weniger als ein leerer – Autodächer sind meist dunkler und unregelmäßiger als Pflaster, auch wenn helle Lackierungen den Effekt abmildern. Der Mehrertrag ist am Kundenparkplatz eines Marktes daher am Vormittag und Abend höher als in den Stunden der vollen Belegung. Über ein Jahr gerechnet bleibt er positiv, aber er ist keine feste Größe.
Konstruktion: Was den Gewinn schmälert
Alles, was zwischen Boden und Modulrückseite steht, kostet Rückseitenlicht. Breite Pfetten unter den Modulen werfen Schattenstreifen auf die Rückseite, Kabelkanäle und Kabelbündel ebenfalls, geschlossene Untersichten oder Blenden ganz. Die Parkpower-Serien legen die Module plan auf schmale Pfetten und führen Kabel im Profil – nicht nur wegen der Optik, sondern weil jede Verschattung der Rückseite Ertrag kostet. Bei Strix Snow mit einreihiger Pfostenstellung ist die Rückseite besonders frei, bei Atlas Heavy sorgt das V-Dach dafür, dass beide Modulfelder den Boden sehen. Vela mit seiner leichten Aluminiumstruktur profitiert am Eigenheim oft von hellem Pflaster.
| Einflussfaktor | Wirkung auf den bifazialen Gewinn |
|---|---|
| Albedo des Bodens (Asphalt 0,1 – Beton 0,3 – Schnee 0,8) | Größter Hebel, nahezu proportional |
| Lichte Höhe | Höher = weniger Eigenverschattung, mehr Bodenfläche |
| Belegung mit Fahrzeugen | Voll geparkt weniger Reflexion |
| Verschattung durch Pfetten, Kabel, Blenden | Direkt abzuziehen |
| Diffusanteil des Lichts (Bewölkung) | Relativer Gewinn an trüben Tagen höher |
Warum der Konfigurator ohne bifazialen Bonus rechnet
Der Parkpower-Konfigurator schätzt den Ertrag mit PVGIS für den Mittelpunkt der Postleitzahl, mit der Neigung der jeweiligen Serie, Ausrichtung Süd und 14 Prozent Systemverlusten – und ohne bifazialen Zuschlag. Das ist eine bewusste Entscheidung. Erstens ist der Gewinn standortabhängig und nur mit Kenntnis von Bodenbelag und Belegung seriös zu beziffern. Zweitens sind Ertragsprognosen die Grundlage von Wirtschaftlichkeitsrechnungen, Finanzierungen und Erwartungen; hier ist eine Reserve wertvoller als ein optimistischer Wert. Drittens wird die Anlage ohnehin nach der Vorderseitenleistung angeschlossen und vergütet.
In der Projektplanung wird der bifaziale Anteil dann sehr wohl betrachtet – bei der Wahl des Bodenbelags auf Neuflächen, bei der Kabelführung und bei der Dimensionierung des Wechselrichters, der die zusätzliche Leistung an klaren Wintertagen mit Schnee auf dem Boden auch abnehmen können muss. Wer die Prognose später an Messwerten spiegelt, sieht den Effekt im Monitoring: als Plus, mit dem niemand gerechnet hat, und das genau deshalb Freude macht.
Was Bauherren daraus ableiten können
Wer einen neuen Parkplatz plant, kann den Mehrertrag mit hellen Belägen und einer freien Untersicht vergrößern; wer auf bestehendem Asphalt baut, nimmt ihn als Reserve mit. Für die Entscheidung zwischen den Serien spielt er keine Rolle – alle drei nutzen dasselbe bifaziale Polaris-Modul. Für die Wahl des Anbieters schon: Ein Angebot, das mit bifazialem Zuschlag rechnet, um Amortisationszeiten zu verkürzen, sollte man um die Annahmen bitten. Die Rückseite liefert. Nur sollte man sie nicht vor der Vorderseite verkaufen.
Messen statt schätzen: Monitoring und Wechselrichter
Wer wissen will, was die Rückseite an seinem Standort tatsächlich liefert, braucht keine Studie, sondern Daten. Das Monitoring der Anlage zeichnet Leistung und Ertrag in Minutenauflösung auf; verglichen mit der PVGIS-Prognose für die Vorderseite wird der bifaziale Anteil über die Monate sichtbar – im Winter mit Schnee auf dem Boden am deutlichsten, im Hochsommer bei voller Belegung am geringsten. Zwei technische Konsequenzen sollte die Planung vorwegnehmen. Der Wechselrichter muss die Spitzen abnehmen können, die an klaren, kalten Tagen mit hoher Albedo entstehen; ein zu knapp dimensionierter Wechselrichter kappt genau den Ertrag, den die Rückseite zusätzlich bringt. Und die Strangverschaltung sollte Module mit ähnlicher Rückseitenbeleuchtung zusammenfassen – Randmodule sehen mehr Boden als Module in der Mitte eines breiten Rasters. Beides ist Teil der Elektroplanung, die Elite PV mit der Auslegung liefert. Der bifaziale Gewinn bleibt damit, was er sein sollte: eine dokumentierte Reserve, die die Anlage von Jahr zu Jahr bestätigt.
Kurz beantwortet
- Wie viel Mehrertrag bringt Bifazialität unter einem Carport?
- Unter deutschen Bedingungen typischerweise fünf bis fünfzehn Prozent gegenüber einem monofazialen Modul gleicher Nennleistung; über dunklem Asphalt eher am unteren, über hellem Pflaster oder Beton am oberen Ende.
- Rechnet der Konfigurator den Mehrertrag ein?
- Nein. Die Ertragsschätzung basiert auf PVGIS für die Vorderseite mit 14 Prozent Systemverlusten; der bifaziale Anteil bleibt als Reserve unberücksichtigt.
- Kann man den Mehrertrag beeinflussen?
- Ja – über helle Bodenbeläge, lichte Höhe, offene Konstruktion ohne geschlossene Rückseite und die Vermeidung von Verschattung der Modulrückseite durch breite Pfetten.
Quellen
- Fraunhofer ISE: Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland · 2026
- PVGIS 5.3 – Photovoltaic Geographical Information System (JRC, Europäische Kommission) · 2026
- photovoltaik.info: Bifaziale Solarmodule – Mehrertrag an Carports, Fassaden und Freiflächen · 2026
- Parkpower Datenblätter Series C und B – Polaris 540 Wp Glas-Glas, bifazial · 09/2026
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