Entwässerung und Versickerung: Wohin das Regenwasser vom Solar-Carport fließt
Ein Carportdach sammelt Regen, der vorher über den Parkplatz lief. Wie die Serien entwässern, welche Wege es gibt – Kanal, Rigole, Mulde, Zisterne –, was DIN 1986-100 und DWA-A 138 vorgeben und warum Versickerung Gebühren spart.
Elite PV GmbH · Veröffentlicht am 05. September 2026 · Zuletzt geprüft am 05. September 2026 · 5 Min. Lesezeit
Regen, der auf einen Parkplatz fällt, läuft über die Fläche in Rinnen und Abläufe. Steht ein Carport darüber, fällt derselbe Regen aufs Dach und kommt an wenigen Punkten konzentriert unten an – bei einem Raster mit 20 Stellplätzen (rund 320 m² Dach) sind das bei Starkregen rund zehn Liter je Sekunde. Wohin damit, ist eine der ersten Fragen der Planung, und sie hat Folgen für Fundament, Genehmigung und Gebühren. Die Antwort hängt vom Bauwerk, vom Boden und vom Ortsrecht ab.
Wie die Serien entwässern
Atlas Heavy hat ein V-förmiges Muldendach: Beide Modulfelder neigen sich zur Mitte, das Wasser sammelt sich in der Mittelrinne und läuft säulenintern durch die Stützen nach unten – ohne sichtbare Fallrohre und ohne Tropfkante über den Stellplätzen. Am Fuß jeder Entwässerungsstütze tritt das Wasser in einen Anschluss aus, der an Kanal, Rigole oder Versickerung geführt wird. Strix Snow hat ein geneigtes Mono-Pitch-Dach; das Wasser läuft zur vorderen, niedrigen Traufseite in eine Rinne und über Fallrohre an den Pfosten nach unten. Vela entwässert über die Aluminiumprofile des Rahmens in die Pfosten. In allen Fällen gilt: Das Wasser fällt gesammelt an, und die Planung beginnt bei der Frage, wie viel.
Wie viel Wasser: Bemessung nach DIN 1986-100
Die Bemessung folgt DIN 1986-100. Sie rechnet mit der örtlichen Regenspende – der Wassermenge, die in einem Bemessungsregen von fünf Minuten Dauer fällt, den es statistisch alle fünf Jahre gibt – aus den KOSTRA-Daten des Deutschen Wetterdienstes, multipliziert mit der Dachfläche und einem Abflussbeiwert, der für Glasdächer nahe eins liegt. Für rund 320 m² Dachfläche (Atlas C-20: 25,3 × 12,7 m) und eine typische Regenspende in Bayern ergibt das rund acht bis zehn Liter je Sekunde, die Rinnen, Stützen und Anschlüsse abführen müssen; für Notüberläufe wird zusätzlich der Jahrhundertregen betrachtet. Die Werte bestimmen die Querschnitte der Rinnen und die Zahl der Entwässerungsstützen – ein Grund, warum die Stützenstellung nicht nur eine Frage der Statik ist.
Wohin damit: Die vier Wege
Kanalanschluss. Das Wasser wird an die vorhandene Grundstücksentwässerung angeschlossen, meist an die Regenwasserleitung des Parkplatzes. Einfach, wenn Leitungen und Kapazität vorhanden sind; die Kommune prüft die Einleitung, und in Gebieten mit Mischkanalisation kann sie Rückhaltung verlangen. Die Niederschlagswassergebühr bleibt, weil die Fläche versiegelt bleibt.
Rigole. Ein mit Kies oder Kunststoffkörpern gefüllter Graben, in den das Wasser eingeleitet wird und aus dem es in den Boden versickert. Unsichtbar unter dem Parkplatz, geeignet bei durchlässigen Böden. Die Bemessung nach DWA-A 138 braucht den Durchlässigkeitsbeiwert des Bodens aus dem Bodengutachten – dasselbe Gutachten, das die Fundamente bemisst.
Mulde. Eine flache, begrünte Senke am Rand des Parkplatzes, in der das Wasser über die belebte Bodenzone versickert. Sichtbar, günstig, ökologisch die beste Reinigung; braucht Fläche und einen Boden, der Wasser aufnimmt. Die Kombination aus Mulde und Rigole ist bei begrenzter Fläche üblich.
Zisterne. Das Wasser wird gespeichert und für Bewässerung, Reinigung oder Toilettenspülung genutzt; der Überlauf geht in Versickerung oder Kanal. Sinnvoll, wo ein Verbrauch da ist – etwa Grünflächen oder eine Waschanlage.
| Weg | Voraussetzung | Vorteil | Zu beachten |
|---|---|---|---|
| Kanal | Vorhandene Leitung, Kapazität | Einfach | Gebühr bleibt, ggf. Rückhaltung |
| Rigole | Durchlässiger Boden (kf-Wert) | Unsichtbar | Bemessung nach DWA-A 138, Wartung |
| Mulde | Fläche, belebter Boden | Günstig, reinigend | Platzbedarf, Gestaltung |
| Zisterne | Verbrauch vor Ort | Wassernutzung | Überlauf, Wartung |
Recht und Gebühren
Niederschlagswasser von Dachflächen gilt als gering belastet. In vielen Ländern ist seine Versickerung über die belebte Bodenzone erlaubnisfrei, sofern die Verordnungen zur erlaubnisfreien Niederschlagswasserversickerung eingehalten werden; sonst braucht es eine wasserrechtliche Erlaubnis der unteren Wasserbehörde. Wasser von Verkehrsflächen ist strenger behandelt, weil es Reifenabrieb und Öl tragen kann – das Carportdach nimmt der Parkfläche einen Teil des Regens und damit einen Teil dieser Belastung ab, ein Nebeneffekt, der in Entwässerungskonzepten gern übersehen wird. Kommunen mit gesplitteter Abwassergebühr berechnen die Niederschlagswassergebühr nach versiegelter Fläche; wer Dachwasser vollständig versickert, kann die Dachfläche aus der Gebühr herausnehmen – bei 250 m² und üblichen Sätzen einige hundert Euro im Jahr.
Für die Genehmigung gehört das Entwässerungskonzept in die Bauvorlagen: Dachflächen, Bemessungsregen, Wege, Bemessung der Versickerung, Anschlüsse. Elite PV erstellt es zusammen mit Fundamentplanung und Bodengutachten und stimmt Kanalanschluss oder Versickerung mit Kommune und Wasserbehörde ab.
Praxis: Frost, Laub, Wartung
Säuleninterne Entwässerung ist frostsicher, solange das Wasser unten frei abfließt; Anschlüsse liegen deshalb unter der Frosttiefe oder haben Gefälle zum Ablauf. Laub und Sediment sind die häufigste Störung: Rinnen, Laubfänge und der Einlauf der Rigole gehören in die jährliche Sichtprüfung. Und Notüberläufe – die Traufe, über die Wasser bei verstopftem Ablauf frei fällt – sollten so liegen, dass sie keine Stellplätze treffen. Wer diese drei Punkte einplant, hat mit der Entwässerung seines Carports für Jahrzehnte nichts mehr zu tun.
Beispielrechnung für ein Raster mit 20 Stellplätzen
Ein Atlas-Raster mit 20 Stellplätzen hat rund 320 m² Dachfläche (25,3 × 12,7 m). Mit einer Regenspende von 300 Litern je Sekunde und Hektar – ein typischer Wert für den fünfminütigen, fünfjährlichen Bemessungsregen in Süddeutschland; der Standortwert kommt aus KOSTRA-DWD – ergibt das rund 9,6 Liter je Sekunde, verteilt auf die Entwässerungsstützen der Mittelrinne. Für den Jahrhundertregen mit etwa der doppelten Spende muss der Notüberlauf über die Traufe das Wasser schadlos abführen. Wird versickert, bestimmt der Durchlässigkeitsbeiwert des Bodens das Volumen der Rigole: Bei einem sandigen Kies mit hoher Durchlässigkeit genügen wenige Kubikmeter, bei Lehm mit geringer Durchlässigkeit werden aus derselben Dachfläche einige zehn Kubikmeter Speichervolumen, die das Wasser über Stunden abgeben. Genau deshalb steht die Bodenuntersuchung am Anfang – sie liefert Fundament und Entwässerung zugleich. Wer die Zahlen für den eigenen Standort sehen will, findet sie im Entwässerungskonzept, das Elite PV mit dem Angebot erstellt; der Konfigurator zeigt vorab, wie viele Stützen und damit Entwässerungspunkte das gewählte Raster hat.
Kurz beantwortet
- Erzeugt ein Carport zusätzliche versiegelte Fläche?
- Nicht, wenn er über einem befestigten Parkplatz steht – das Wasser fiel vorher auf dieselbe Fläche. Es fällt jetzt aber gesammelt an definierten Punkten an und muss dort abgeleitet oder versickert werden.
- Darf Dachwasser einfach versickert werden?
- Niederschlagswasser von Dachflächen gilt als gering belastet; in vielen Ländern ist die Versickerung über die belebte Bodenzone erlaubnisfrei, sonst braucht sie eine wasserrechtliche Erlaubnis. Wasser von Verkehrsflächen ist strenger geregelt.
- Wer plant die Entwässerung?
- Elite PV mit dem Bodengutachten und dem Entwässerungskonzept des Standorts; Kanalanschluss oder Versickerung werden mit Kommune beziehungsweise Wasserbehörde abgestimmt und gehören zum Bauantrag.
Quellen
- DIN 1986-100 – Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke (Bemessung, Regenspenden) · 2016
- DWA-A 138 – Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser · 2024
- Deutscher Wetterdienst: KOSTRA-DWD – Starkniederschlagshöhen für Deutschland · 2020
- Parkpower Datenblätter – Atlas Heavy mit säuleninterner Entwässerung zur Mittelrinne, Strix Snow mit Traufe · 09/2026
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