Eigenverbrauch in der Filiale: So rechnet sich ein Solar-Carport am Markt
Kühlung, Licht, Kassen und Ladepunkte laufen dann, wenn die Sonne scheint. Warum Filialparkplätze hohe Eigenverbrauchsquoten erreichen, wie die Rechnung mit 100 Prozent Eigenkapital aussieht und welche Hebel die Amortisation verkürzen.
Elite PV GmbH · Veröffentlicht am 04. September 2026 · Zuletzt geprüft am 04. September 2026 · 5 Min. Lesezeit
Der Strom einer Photovoltaikanlage ist dann am meisten wert, wenn er den Bezug aus dem Netz ersetzt. Eine Kilowattstunde, die im Kühlregal verschwindet, spart den vollen Gewerbestrompreis; eine Kilowattstunde, die ins Netz geht, bringt die Einspeisevergütung. Der Unterschied liegt 2026 bei rund 15 Cent. Deshalb entscheidet die Eigenverbrauchsquote über die Wirtschaftlichkeit – und deshalb sind Filialparkplätze ein guter Ort für Solar-Carports: Ihr Lastprofil passt zur Sonne.
Warum Filialen zur Sonne passen
Ein Lebensmittelmarkt, eine Drogerie oder ein Baumarkt verbraucht Strom vor allem zwischen acht und zwanzig Uhr: Beleuchtung, Kassen, Lüftung, im Sommer Klimatisierung. Dazu kommt die Kühlung, die rund um die Uhr läuft, aber bei Wärme und Tageslicht am meisten leistet. Diese Grundlast ist hoch genug, um einen großen Teil der Mittagsproduktion aufzunehmen, und sie ist an sieben Tagen in der Woche ähnlich – anders als in Büros, die am Wochenende leer stehen. Ladepunkte für Kunden und Mitarbeiter verschieben zusätzlich Verbrauch in die sonnenreichen Stunden.
Das Ergebnis sind Eigenverbrauchsquoten von 50 bis 70 Prozent ohne Speicher, wenn die Anlage nicht überdimensioniert ist. Der Parkpower-Konfigurator geht für Filialen standardmäßig von 55 Prozent aus; wer sein Lastprofil kennt, passt den Wert an und sieht die Wirkung unmittelbar in Amortisation und Rendite.
Die Rechnung an einem Beispiel
Nehmen wir einen Filialparkplatz mit 20 Stellplätzen, überdacht mit Atlas Heavy: 71 kWp, ein spezifischer Ertrag von 1.000 kWh je kWp, also rund 71.000 kWh im Jahr. Bei 55 Prozent Eigenverbrauch ersetzen gut 39.000 kWh Netzstrom; zu 22 ct/kWh sind das rund 8.600 € im ersten Jahr. Die übrigen 32.000 kWh werden eingespeist und nach EEG mit rund 6,3 ct/kWh vergütet, was etwa 2.000 € bringt. Abzüglich Betriebskosten von 1,2 Prozent der Investition – Wartung, Versicherung, Messstellenbetrieb – bleibt ein Überschuss von rund 9.000 € im ersten Jahr, der mit steigenden Strompreisen wächst und mit der Moduldegradation von 0,4 Prozent im Jahr leicht sinkt.
Die Investition liegt im öffentlichen Korridor von 1.500 bis 2.200 € je kWp, also zwischen rund 107.000 und 157.000 €. Daraus folgen im 25-Jahres-Modell mit 100 Prozent Eigenkapital Amortisationszeiten von knapp 11 bis gut 16 Jahren und interne Verzinsungen zwischen rund 4 und 8 Prozent. Die Stromgestehungskosten liegen bei etwa 9 bis 13 ct/kWh – deutlich unter dem Gewerbestrompreis, den der BDEW für kleine und mittlere Gewerbe- und Industriekunden 2026 mit rund 17 ct/kWh netto angibt und der bei kleineren Abnahmen wie einer Filiale eher darüber liegt.
| Größe | Wert im Beispiel |
|---|---|
| Leistung / Ertrag | 71 kWp · 71.000 kWh/a |
| Eigenverbrauch 55 % zu 22 ct | rund 8.600 € Ersparnis |
| Einspeisung 45 % zu 6,3 ct | rund 2.000 € Vergütung |
| Betriebskosten 1,2 % der Investition | rund 1.300 bis 1.900 € |
| Investition (1.500–2.200 €/kWp) | 107.000 bis 157.000 € |
| Amortisation (100 % Eigenkapital) | rund 11 bis 16 Jahre |
Die Hebel, die die Amortisation verkürzen
Der wichtigste Hebel ist der vermiedene Strompreis. Wer heute 25 statt 22 ct/kWh zahlt, verkürzt die Amortisation spürbar; wer über Jahre Preissteigerungen erwartet, sieht den Effekt im kumulierten Cashflow. Der zweite Hebel ist die Quote: Ladepunkte für Mitarbeiter und Kunden, ein auf die PV-Produktion abgestimmter Kühlbetrieb oder das Verschieben von Lasten wie Warmwasser und Lüftung in die Mittagsstunden holen Kilowattstunden von der Einspeisung in den Eigenverbrauch. Der dritte Hebel ist die richtige Größe: Eine Anlage, die das Lastprofil um ein Mehrfaches übersteigt, senkt die Quote und verlängert die Amortisation – die Serien lassen sich deshalb im Stellplatzraster skalieren.
Ein Speicher lohnt sich an Filialen dann, wenn Abendlasten hoch sind oder Lastspitzen die Netzentgelte treiben; als reiner Eigenverbrauchsspeicher ist er bei gutem Tagesprofil selten der erste Schritt. Steuerliche Hebel wie Investitionsabzugsbetrag und Sonderabschreibung verschieben Liquidität nach vorn, ändern aber nicht die operative Rechnung; der Förder-Simulator im Konfigurator zeigt beides getrennt.
Was das Modell nicht enthält
Das Konfigurator-Modell rechnet ohne Finanzierung und ohne Steuern, mit Vorderseitenertrag ohne bifazialen Zuschlag, mit 20 Jahren EEG-Vergütung nach den Sätzen für Inbetriebnahmen bis Ende Januar 2027 und danach mit einem Marktwert von 4 ct/kWh. Es enthält keine Einnahmen aus Ladepunkten, keine THG-Erlöse, keine Mieterstrom- oder Contracting-Modelle und keine Erträge aus Werbewert oder Kundenbindung. Es berücksichtigt auch nicht, dass die Vergütung bei negativen Börsenpreisen entfällt, und dass die EEG-Novelle 2027 für Inbetriebnahmen ab 2027 Änderungen vorsieht. Alles Genannte kann die Rechnung verbessern oder verändern; die Basis ist bewusst konservativ.
Fazit für Filialisten
Ein Solar-Carport an der Filiale ist keine Wette auf die Einspeisevergütung, sondern eine Absicherung des eigenen Strompreises für 25 Jahre – bei gleichzeitigem Wetterschutz für Kunden, Ladeinfrastruktur und, in neun Bundesländern, Erfüllung der Solarpflicht für Parkplätze. Wer sein Lastprofil kennt, rechnet in wenigen Minuten nach: Der Konfigurator nimmt Stellplätze, Postleitzahl, Strompreis und Quote entgegen und zeigt Amortisation, Rendite und Cashflow über 25 Jahre.
Lastprofil ermitteln: So kommen Sie an Ihre Quote
Die Eigenverbrauchsquote ist keine Schätzung, wenn man das Lastprofil kennt. Filialen mit mehr als 100.000 kWh Jahresverbrauch haben eine registrierende Leistungsmessung; die Viertelstundenwerte stellt der Netzbetreiber oder Messstellenbetreiber auf Anfrage bereit, oft im Kundenportal. Kleinere Standorte mit intelligentem Messsystem kommen ebenfalls an Viertelstundenwerte, alle anderen an Monatsverbräuche und Öffnungszeiten, aus denen sich ein typisches Profil ableiten lässt. Mit diesen Daten und dem PVGIS-Stundenprofil des Standorts wird die Quote je Anlagengröße berechnet – und zeigt, ab welcher Leistung die Einspeisung überproportional wächst. Für die erste Einschätzung genügt der Konfigurator: Stellplätze, Postleitzahl, Strompreis und geschätzte Quote ergeben in Sekunden Amortisation und Cashflow; für das Angebot rechnet Elite PV mit dem echten Lastgang nach. Wer mehrere Filialen betreibt, wiederholt das je Standort, denn Lastprofil, Lastzone und Ertrag unterscheiden sich – und genau dort entsteht die Reihenfolge, in der sich ein Portfolio am schnellsten rechnet.
Kurz beantwortet
- Welche Eigenverbrauchsquote ist an einer Filiale realistisch?
- Ohne Speicher meist 50 bis 70 Prozent, wenn Öffnungszeiten, Kühlung und Ladepunkte das Lastprofil prägen; mit Ladepunkten für Kunden und Mitarbeiter steigt die Quote weiter.
- Was ist mit dem Strom, der nicht selbst verbraucht wird?
- Er wird eingespeist und nach EEG vergütet – bei einem 71-kWp-Carport im Jahr 2026 mit rund 6,3 ct/kWh, anteilig je Leistungsklasse. Bei negativen Börsenpreisen entfällt die Vergütung.
- Wie schnell amortisiert sich ein Carport mit 20 Stellplätzen?
- Im Konfigurator-Modell mit 55 Prozent Eigenverbrauch, 22 ct/kWh Strombezug und 1.000 kWh je kWp zwischen rund 11 und 16 Jahren, je nachdem, wo im Preiskorridor das Projekt liegt.
Quellen
- BDEW-Strompreisanalyse 2026 – Haushalte und Gewerbe/Industrie · 08/2026
- Bundesnetzagentur: Vergütungssätze und anzulegende Werte für Solaranlagen (Inbetriebnahme 01.08.2026–31.01.2027) · 08/2026
- Parkpower-Konfigurator – Wirtschaftlichkeitsmodell (25 Jahre, 100 % Eigenkapital) · 09/2026
- PVGIS 5.3 – Ertragsdaten für den PLZ-Mittelpunkt · 2026
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