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Netzanschluss ab 100 kWp: Was sich für größere Solar-Carports ändert

Oberhalb von 100 Kilowatt greifen Direktvermarktung, Anlagenzertifikat, Mittelspannungsregeln und andere Messkonzepte. Der Weg vom Netzanschlussbegehren bis zur Inbetriebsetzung – mit Fristen, Dokumenten und den typischen Stolpersteinen.

Elite PV GmbH · Veröffentlicht am 05. September 2026 · Zuletzt geprüft am 05. September 2026 · 5 Min. Lesezeit

Ein Solar-Carport mit 28 Stellplätzen unter Atlas Heavy liegt bei rund 100 kWp – und damit an einer Schwelle, die im deutschen Energierecht mehrfach markiert ist. Oberhalb von 100 Kilowatt wird die Direktvermarktung Pflicht, ändern sich Messkonzept und Vergütung, und je nach Netz kommt statt des Niederspannungsanschlusses die Mittelspannung mit Trafostation und Anlagenzertifikat. Nichts davon ist ein Hindernis; alles davon gehört früh in den Zeitplan. Dieser Beitrag beschreibt den Weg vom Netzanschlussbegehren bis zur Inbetriebsetzung für Anlagen dieser Größe.

Schritt 1: Das Netzanschlussbegehren

Nach § 8 EEG muss der Netzbetreiber Anlagen für erneuerbare Energien unverzüglich und vorrangig anschließen. Der Weg beginnt mit dem Netzanschlussbegehren: Lageplan, Anlagendaten mit installierter Leistung und Wechselrichtertyp, gewünschter Anschlusspunkt und Inbetriebnahmetermin. Sobald das Begehren vollständig ist, muss der Netzbetreiber nach § 8 Abs. 5 und 6 EEG unverzüglich – spätestens innerhalb von acht Wochen – einen Zeitplan für die Bearbeitung nennen und die Informationen übermitteln, die der Anlagenbetreiber für die Prüfung des Anschlusses braucht – darunter das Ergebnis der Netzverträglichkeitsprüfung und die Kostenschätzung.

Die Netzverträglichkeitsprüfung entscheidet, wo die Anlage angeschlossen wird. Bis etwa 100 bis 300 Kilowatt ist oft ein Anschluss am vorhandenen Niederspannungs-Hausanschluss möglich, wenn dessen Reserve und die Belastbarkeit des Ortsnetztransformators reichen. Darüber, oder wenn die Reserve fehlt, wird der Anschluss am Mittelspannungsnetz vorgesehen – mit einer eigenen Übergabestation, die der Betreiber errichtet. Standorte mit Lkw-Laden oder großer Kühlung haben häufig ohnehin einen Mittelspannungsanschluss; dann wird die PV-Anlage in die bestehende Kundenanlage eingebunden.

Schritt 2: Technische Anschlussregeln und Zertifikate

Für die Niederspannung gilt die VDE-AR-N 4105, für die Mittelspannung die VDE-AR-N 4110. Beide verlangen Nachweise, dass die Anlage sich netzkonform verhält: Blindleistungsbereitstellung, Verhalten bei Spannungs- und Frequenzabweichungen, Schutzfunktionen am Netzanschlusspunkt. Bis 135 Kilowatt Anschlussleistung genügen die Einheitenzertifikate der Wechselrichter und eine Konformitätserklärung des Errichters. Ab mehr als 135 Kilowatt oder beim Anschluss am Mittelspannungsnetz braucht die Anlage ein Anlagenzertifikat einer akkreditierten Stelle, das die gesamte Anlage einschließlich Schutz und Verkabelung bewertet – mit anschließender Konformitätserklärung nach der Inbetriebsetzung. Das Zertifikat kostet Zeit; es sollte parallel zur Baugenehmigung beauftragt werden, nicht danach.

Schritt 3: Steuerbarkeit, Messung, Direktvermarktung

Seit dem Solarspitzengesetz vom Februar 2025 müssen neue Anlagen ab 25 Kilowatt fernsteuerbar sein – über ein intelligentes Messsystem mit Steuerbox, mit dem der Netzbetreiber die Einspeisung bei Netzengpässen begrenzen kann. Bis das Messsystem eingebaut ist, dürfen neue Anlagen nur 60 Prozent ihrer Leistung einspeisen; für einen Carport, dessen Strom überwiegend vor Ort verbraucht wird, ist das selten spürbar, aber es gehört in die Planung des Zählerplatzes.

Über 100 Kilowatt ist die Direktvermarktung nach § 21 EEG Pflicht: Der Strom wird nicht zur festen Einspeisevergütung, sondern über einen Direktvermarkter an der Börse verkauft, ergänzt um die Marktprämie. Das setzt Fernsteuerbarkeit und Viertelstundenmessung voraus – die registrierende Leistungsmessung, die bei Standorten mit mehr als 100.000 kWh Jahresverbrauch ohnehin vorhanden ist. Das Messkonzept legt fest, wo Erzeugung, Bezug und Einspeisung gezählt werden; bei Eigenverbrauch hinter dem Netzanschluss ist ein Erzeugungszähler zusätzlich zum Zweirichtungszähler am Anschluss üblich. Der Messstellenbetreiber – meist der Netzbetreiber – liefert die Zähler.

SchwelleWas sich ändertKonsequenz für die Planung
ab 7 kWIntelligentes Messsystem PflichtZählerplatz mit Platz für Gateway
ab 25 kWFernsteuerbarkeit (Steuerbox), sonst 60-%-BegrenzungFrühzeitige Bestellung beim Messstellenbetreiber
ab 100 kWDirektvermarktung Pflicht, ViertelstundenmessungDirektvermarkter vor Inbetriebnahme beauftragen
ab 135 kW / MittelspannungAnlagenzertifikat, ÜbergabestationZertifizierer und Station parallel zum Bauantrag

Schritt 4: Inbetriebsetzung und Registrierung

Nach Fertigstellung meldet der Errichter die Anlage zur Inbetriebsetzung an; der Netzbetreiber oder ein von ihm beauftragter Installateur prüft Schutz und Anschluss und gibt die Anlage frei. Spätestens einen Monat nach Inbetriebnahme muss sie im Marktstammdatenregister eingetragen sein – die Registrierung ist Voraussetzung für Vergütung und Marktprämie. Für Anlagen mit Anlagenzertifikat folgt die Konformitätserklärung mit den Inbetriebsetzungsprotokollen. Elite PV übernimmt Netzanschlussbegehren, Abstimmung mit Netzbetreiber und Zertifizierer, Messkonzept und Registrierung; der Betreiber unterschreibt Vollmacht und Verträge.

Die typischen Stolpersteine

Vier Dinge verzögern Projekte über 100 kW regelmäßig: ein Netzanschlussbegehren, das erst nach der Baugenehmigung gestellt wird; ein Zählerplatz, der für Gateway, Steuerbox und Erzeugungszähler zu klein ist; ein Direktvermarkter, der erst nach der Inbetriebnahme gesucht wird; und eine Übergabestation, deren Lieferzeit niemand eingeplant hat. Alle vier lassen sich mit einer Regel vermeiden: Netz und Bau parallel, nicht nacheinander. Der Carport steht in Wochen – der Netzanschluss bestimmt, wann er Strom liefert.

Was der Netzanschluss kostet

Die Kosten teilen sich nach EEG auf: Der Anlagenbetreiber trägt die Anschlussleitung bis zum Verknüpfungspunkt und die Messeinrichtungen, der Netzbetreiber den Ausbau seines Netzes. Beim Niederspannungsanschluss am bestehenden Hausanschluss ist das überschaubar – Kabel, Zählerplatz, Schutztechnik. Beim Mittelspannungsanschluss kommen die Übergabestation mit Transformator, Schaltanlage und Schutz hinzu, deren Errichtung der Betreiber beauftragt, dazu das Anlagenzertifikat. Netzbetreiber dürfen nach der Position der Bundesnetzagentur seit 2024 auch für Erzeugungsanlagen am Mittelspannungsnetz Baukostenzuschüsse verlangen, wenn sie die reservierte Anschlusskapazität abbilden; ob und in welcher Höhe, steht im Angebot des Netzbetreibers und gehört in die Wirtschaftlichkeitsrechnung. Für das intelligente Messsystem gelten gesetzliche Preisobergrenzen des Messstellenbetriebs, die mit der Anlagengröße steigen.

Elite PV übernimmt in dieser Phase die technische Seite: Netzanschlussbegehren mit allen Unterlagen, Abstimmung von Anschlusspunkt und Messkonzept, Beauftragung des Zertifizierers, Planung von Zählerplatz und Übergabestation, Anmeldung zur Inbetriebsetzung und Registrierung. Der Betreiber sieht die Kosten des Netzbetreibers als eigene Position im Angebot – getrennt vom Carport, weil sie standortabhängig sind und sich nicht in einen Korridor je kWp pressen lassen.

Zeitplan im Überblick

Als Faustregel für Anlagen über 100 kW: Netzanschlussbegehren in Woche 1, Rückmeldung mit Zeitplan bis Woche 8, Netzverträglichkeitsprüfung und Angebot des Netzbetreibers innerhalb weniger Monate, Anlagenzertifikat parallel zur Baugenehmigung, Übergabestation mit Lieferzeit von mehreren Monaten, Inbetriebsetzung nach der Montage. Beim Niederspannungsanschluss schrumpft der Plan auf wenige Monate; beim Mittelspannungsanschluss bestimmt der Netzbetreiber den Takt. Wer den Antrag am ersten Tag stellt, hat den Anschluss meist dann, wenn der Carport steht.

Kurz beantwortet

Ab wann ist ein Anlagenzertifikat nötig?
Nach den Technischen Anschlussregeln ab einer Anschlussleistung von mehr als 135 kW oder beim Anschluss am Mittelspannungsnetz. Darunter genügen Einheitenzertifikate der Wechselrichter und die Konformitätserklärung.
Wie lange dauert der Netzanschluss?
Der Netzbetreiber muss nach § 8 EEG unverzüglich, spätestens acht Wochen nach dem vollständigen Netzanschlussbegehren einen Zeitplan nennen. Ein Niederspannungsanschluss ist oft in wenigen Monaten möglich, ein Mittelspannungsanschluss mit Trafostation dauert deutlich länger.
Muss ein Carport über 100 kW fernsteuerbar sein?
Ja. Seit dem Solarspitzengesetz müssen neue Anlagen ab 25 kW über ein intelligentes Messsystem mit Steuerbox fernsteuerbar sein; über 100 kW kommt die Direktvermarktung hinzu, für die die Steuerbarkeit ohnehin Voraussetzung ist.

Quellen

  1. § 8 EEG 2023 – Anschluss, Netzanschlussbegehren, Fristen (gesetze-im-internet.de) · 2025
  2. § 9 und § 21 EEG 2023 – Technische Vorgaben (Steuerbarkeit) und Direktvermarktungspflicht über 100 kW · 2025
  3. VDE-AR-N 4105 (Niederspannung) und VDE-AR-N 4110 (Mittelspannung) – Technische Anschlussregeln · 2023
  4. Bundesverband Solarwirtschaft: FAQ Solarspitzengesetz (Steuerbarkeit, 60-%-Regel, negative Preise) · 2025
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